Amazonas

Amazonas
Ama|zo|nas, der; -:
südamerikanischer Strom.

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Amazonas,
 
1) Amazonenstrom, der größte Strom von Südamerika mit dem größten Stromgebiet der Erde (7 Mio. km2), Länge (ohne Krümmungen) 6 518 km. Der Amazonas entsteht durch Vereinigung der in den peruanischen Kordilleren entspringenden Quellflüsse Marañón, Huallaga und Ucayali und durchfließt in fast westöstlicher Richtung das brasilianische Tiefland; im Mittellauf Solimões genannt. Auf brasilianischem Gebiet nimmt er über 220 Nebenflüsse auf (davon rd. 100 schiffbar): Napo, Putumayo-Içá, Japurá, Rio Negro mit Rio Branco von Norden, Javari, Juruá, Purús, Rio Madeira, Tapajós, Xingu von Süden, die zum Teil an Länge und Wasserreichtum die bedeutendsten Ströme anderer Erdteile übertreffen. Die sedimentreichen Nebenflüsse aus dem andinen Gebiet werden als »Weißwasser-«, die sinkstoffarmen Flüsse aus dem Brasilianischen Bergland als »Klarwasser-« und die Humusmaterial führenden Flüsse aus den Überschwemmungsgebieten des westlichen Amazonien als »Schwarzwasserflüsse« bezeichnet.
 
Im Amazonastiefland sind infolge des geringen Gefälles die Nebenflüsse untereinander vielfach periodisch oder ständig durch natürliche Kanäle (Igarapés) verbunden, sodass es zahlreiche Fälle von Bifurkation (Gabelungen) gibt. Am bekanntesten ist die von A. von Humboldt erforschte Bifurkation des Casiquiare. Das Gefälle des Amazonas beträgt im Tiefland nur 3,8 cm je km. Seeschiffe von 3 000 t haben ungehinderte Fahrt bis Iquitos in Peru, von 10 000 t bis Manaus. Die Schifffahrt auf dem Amazonas (mit Ausnahme des Binnenverkehrs) ist seit 1866 von Brasilien für alle Flaggen freigegeben. Da die südlichen Nebenflüsse ihre größte Wassermenge im Südsommer, die nördlichen im Nordsommer führen, ist der Amazonas stets wasserreich. Weite Überschwemmungsgebiete (Várzeas) begleiten beiderseits den von natürlichen Uferdämmen gesäumten Strom. Die abfließende Wassermenge wird bei Niedrigwasser auf 35 000 m3/s geschätzt, bei hohem Mittelwasser auf 120 000 m3/s, die Stromgeschwindigkeit beträgt trotz des geringen Gefälles 0,75 m/s. Die Breite, schon bei Iquitos 1 800 m, ist unterhalb von Manaus nirgends geringer als 5 000 m, mit Ausnahme der Enge von Óbidos, wo das Herantreten der Ausläufer des brasilianischen und des guayanischen Tafellands das Strombett wieder auf 1 800 m einengt. Bis Óbidos, über 800 km oberhalb der Mündung, machen sich die Gezeiten bemerkbar. Bis hierhin reicht auch die Wirkung der Pororoca, einer besonders zur Zeit der Springflut auftretenden gewaltigen Flutwelle.
 
Der große Mündungstrichter am Atlantischen Ozean wird durch die Inseln Caviana und Mexiana in drei Arme getrennt. Der Kanal Tajipurú stellt die Verbindung mit dem für die Schifffahrt günstigeren Rio Pará, dem Mündungstrichter des Tocantins-Araguaia, her. Die Mündung ist 250 km breit, ein lehmgelbes Süßwassermeer, das zur Ebbezeit das Meerwasser über 200 km weit von der Küste abdrängt. (Amazonien)
 
 
Die Mündung des Amazonas lernte V. Y. Pinzón 1500 kennen. F. Pizarros Gefährte F. de Orellana befuhr 1541/42 von Peru aus den Napo, dann den Amazonas bis zur Mündung; die erste Erkundungsfahrt stromaufwärts unternahm 1637/38 P. Texeira (von Cametá aus ins Quellgebiet des Napo). Wichtige spätere Reisen im Amazonasgebiet: Pater S. Fritz (1689, erste genauere Karte), C. M. de La Condamine (1743), A. von Humboldt (1800), J. B. von Spix und C. von Martius (1819/20), E. Oeppig (1831/32), H. W. Bates (1848-59), J. N. Crevaux (1877-82), H. Coudreau (1895-99), T. Koch-Grünberg (1904/05, 1911-13).
 
 2) Bundesstaat Brasiliens, der nördlichste und mit 1 577 820 km2 der größte, aber mit (1996) 2,39 Mio. Einwohner einer der am dünnsten besiedelten; im Westen von Amazonien gelegen. Hauptstadt ist Manaus. Durch Einrichtung einer Freihandelszone um Manaus hat Amazonas begrenzte industrielle Entwicklungsimpulse erlebt, gleichzeitig aber auch eine weitere einseitige Verstärkung der wirtschaftlichen Entwicklung um die Hauptstadtregion. - Amazonas wurde im 17. Jahrhundert von Pará aus erschlossen. Während des Kaiserreichs (seit 1822) wurde das Gebiet zunächst als Gerichtsbezirk (Comarca) Alto Amazonas der Provinz Grão-Pará einverleibt; seit 1850 ist es autonomer Bundesstaat.
 
 3) Departamento von Kolumbien.
 
 4) Bundesstaat von Venezuela.
 
 5) Departamento von Peru.
 

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Ama|zo|nas, der; -: südamerikanischer Strom.

Universal-Lexikon. 2012.

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